Im Februar schrieb ich den Artikel "kein Applaus in der Kirche". Nun durfte ich erleben, dass es auch anders geht.
Bedingt durch die Einladung zu einer Konfirmation erlebte ich einen Gottesdienst, der gefühlt irgendwie anders war als jene Gottesdienste, die ich aus "meiner" Kirche kannte.
Es ging eigentlich schon damit los, dass die Kirche auf mich anders wirkte. Es war ein jüngerer Bau, vermutlich aus den 1970er Jahren. Alles wirkte offen, frei, hell und freundlich. In den alten Gemäuern der Kirche meines Ortes ist alles dunkel, historisch und irgendwie fast ein wenig unheimlich. Hier, in der jungen Kirche, war es fast ein wenig gemütlich und obwohl diese Kirche kleiner war als die alte Kirche, gab es hier gefühlt deutlich mehr Platz. Statt des großen mittelalterlichen Altars gab es hier einen schlichten tischähnlichen Altar, mit einer dicken Bibel und einem großen hübschen Blumengesteck geschmückt. Natürlich fehlten die großen Kerzen nicht.
Der Pastor verstand es, Jung und Alt gleichermaßen in den Gottesdienst mit einzubeziehen. Aus meiner Kirche kenne ich verschiedene Gesichter der Besucher. Den älteren ist der Gottesdienst oft zu modern und den jüngeren nicht modern genug, also zu konservativ. Hier in der jungen Kirche gab es solche Gesichter nicht. Alt und Jung waren ganz offensichtlich in den Gottesdienst eingebunden. Man hatte das Gefühl, allen ging es wie mir selbst. Sie fanden sich wieder in dem, was dort gesagt, gebetet und gesungen wurde.
In meiner Kirche habe ich das Gefühl, die Konfirmandinnin und Konfirmanden schließen erstmal temporär mit dem Thema Kirche ab sobald die Konfirmation beendet ist und sie nicht mehr zum Konfirmandenunterricht zu gehen brauchen. Hier in der jungen Kirche äüßerte sich ein Großteil dieser jungen Christen dahingehend, dass sie auch weiterhin sich regelmäßig aktiv für die Kirche engagieren möchten. Jeder Konfirmant hatte sein persönliches Glaubensbekenntnis zu Papier gebracht. Die Zitate, die der Pastor daraus vorlas, faszinierten die ganze Kirchengemeinde und zeigten deutlich, dass die Konfirmanden sich nicht nur aus Gründen der Pflicht mit dem Thema befasst hatten.
Der Pastor ging in seiner Predigt auf ganz aktuelle Probleme ein, wie Umweltverschmutzung durch Öl vor der Südküste der USA, Krieg in der Welt und gerade verstorbene Mitmenschen. Für jeden Anwesenden war irgendwie etwas dabei, was den Gottesdienst authentisch und nah machte.
Zum Schluss wurden spontan die Eltern der Konfirmanden nach vorn geholt. Sie sangen eine selbst komponierte Strophe des Liedes "Danke". Als sie fertig waren gab es ganz selbstverständlich einen lauten und herzlichen Applaus für diesen Vortrag.
In der Kirche darf also doch geklatscht werden!
Ich habe für mich mitgenommen, dass Kirche nicht gleich Kirche und Gottesdienst nicht gleich Gottesdienst ist. Auch nicht innerhalb der selben Religion.
Euer Sig Nalruf

Sehr schöner Beitrag, der mich auch hoffen lässt. Es dreht sich wirklich alles darum ob sich die jungen Christen in ihrer Gemeinde gut aufgehoben fühlen.
Einer der Gründe weshalb ich aktiv kirchliche Jugendarbeit betreibe und allen Unkenrugfen zu trotz einen festen Glauben habe, damit etwas zu erreichen.
Wenn mir meine Kirchengemeinde nicht gefällt muß ich mitmachen – Christsein bedeutet aktiv sein, mitmachen, mithandeln und mitgestalten.
Bald findet bei uns das dritte Jugend-Treffen NACH der Konfirmation statt.